Ashraf & Samar

Flüchtlinge im Libanon: Ashraf & Samar

Auf unserem Missionseinsatz nach Zahlé, Libanon haben wir in Zusammenarbeit mit der True Vine Church im Libanon eine ägyptische Flüchtlingsfamilie besucht. Er, ehemals Pastor in Ägypten, wurde mit seiner Frau und zwei Kindern wegen seines Dienstes von radikalen Muslimen verhaftet und mit seiner ganzen Familie ein Jahr gefangen gehalten. Ägyptische Christen erleben momentan immer mehr Verfolgung. In einigen Regionen gehen Mädchen ohne Kopftuch nicht mehr allein vor die Tür, da das Risiko zu hoch ist, entführt zu werden. Von dieser im Gefängnis Zeit haben sie nicht viel erzählt, nur, dass sie schwanger geworden ist und unter der Voraussetzung, dass sie Ägypten verlassen, freigelassen worden sind.

Nun sitzen sie vor uns in einer spärlich eingerichteten Wohnung, zerbrochen, aber froh, dass sie Gäste bewirten können. Ein kleiner Ofen und ein Plastiktisch mit Kaffee ist der Mittelpunkt des Zimmers. An der Wand hängt der Bibelvers aus Josua 24,15: „Ich und mein Haus, wir dienen dem Herrn.“ – mit Filzstift auf arabisch in Kaligrafie geschrieben. Die zwei halten ihren sechs Monate alten Sohn Christopher auf dem Arm. Er ist ohne Darmausgang geboren wurde. Eine von drei OP´s hat er hinter sich. Die zwei älteren Kids sind in der Schule der Gemeinde.

Ashrafs Augen strahlen solch eine Freundlichkeit und Führsorge aus. Er ist unglaublich liebevoll und strahlt, wenn er von Ägypten, seinem alten Leben und seiner Familie erzählt. Wir kommen ins Gespräch. Sie erzählen, wie es ihnen geht – fragen nach unseren Eindrücken.

Ein Erlebnis aus der Zeit in Ägypten begeistert sie noch immer. Eines Tages hatten sie nichts mehr zuhause, weder Geld noch irgendwelche Nahrungsmittel. Ashraf war bereit sein Handy zu verkaufen, um etwas zu Essen zu besorgen. Samar war gar nicht glücklich darüber. Dennoch machte er sich auf den Weg. Eine längere Geschichte kurz zusammengefasst, niemand wollte das Handy – nach über fünf Stunden war Ashraf ziemlich entmutigt.

Da lief er einem Bekannten über den Weg, der ihm sagte, „gut, dass ich dich treffe, ich hatte das Gefühl, dass ich dir diese Summe an Geld geben soll“. Ashraf war überrascht. Es war so viel wie drei Monatslöhne für sie als Familie. Er wollte es erst nicht annehmen, doch die Person ließ nicht locker. Mit dem Geld konnte er nun etwas für seine Familie einkaufen. Doch mittlerweile war es so spät geworden, dass alle Läden zu waren. Nun stand er da, hatte Geld, aber kein Laden war mehr offen. So kam er an einem Hähnchenladen vorbei, welcher eigentlich schon seit zweieinhalb Stunden geschlossen sein sollte. Doch zu seiner Überraschung fand er den Laden offen vor. Er fragte, warum sie noch offen haben. Der Besitzer antwortete: „Wir warten seit 19 Uhr auf den Käufer des letzten Hähnchens, erst dann machen wir zu.“ Ashraf sagte freudig: „Nun, der Käufer ist hier, ich nehme es!“ Zuhause war die Freude auch bei Samar riesig. Sie hatte die ganze Zeit gebetet, dass er das Handy behalten kann.

Diese Geschichte hat mich tief berührt, vor allem die Art und Weise wie sie erzählt haben. Ihre Augen fingen an zu leuchten und ich merkte, wie sehr sie auf Gott vertrauen, dass er sie versorgt, schützt und an ihrer Seite ist.

Sie erzählten auch, wie ihre Verfolger sie letzte Woche im Libanon gefunden haben, in der Nacht eingebrochen sind, Dinge gestohlen haben und als Drohung auf ihrem kleinen Balkon ein Messer haben liegen lassen. Auf die Frage hin, ob sie nun umziehen müssten oder was sie tun würden, antworteten sie einfach: „Sie finden uns überall, aber Jesus ist größer.“

Wir fragten, ob wir etwas für sie tun könnten, ob sie etwas brauchen, neben Essen, Kleidung und Schulbildung, welche die Gemeinde für sie bereits organisiert? Sie antworten nur: „Gebet! Gebet ist die Waffe, die wir haben.“ Diese Antwort zeigt, wie sehr verbunden die beiden ihre Beziehung mit Jesus leben. Obwohl ihr sechs Monate alter Sohn Christopher in solch einer Situation ist und sie ihn rund um die Uhr pflegen, war das die Antwort. Wir waren tief bewegt. Was ihr Plan sei, fragen wir. Sie antworten: „Jesus! Jesus weiß es und er trägt uns durch!“

Wir suchen nun dringend nach einem Arzt, der Christopher behandeln kann. Die Ärzte im Nahen Osten sehen sich außerstande die dringend benötigte OP durchzuführen. Ohne eine erfolgreiche Operation sehen sie keine Überlebenschancen für das Baby, das bereits so viel gelitten hat.

Verwendungszweck: 78-020-01 Katastrophenhilfe -Libanon-

 

Nina Schmidt

Einsatzteilnehmerin Mai 2022

 
 
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PS: Der nächste Gruppeneinsatz in den Libanon findet im Mai 2023 statt.

 

 

 

 

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